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Monats-Archive: Januar 2014

Projekt zu rechten Angriffen und Gewalt abgeschlossen

Der Geraer Verein AufandHalt – Netz von Betroffenen rechtsextremer Gewalt und rassistischer Diskriminierung e.V. hat sein Projekt erfolgreich abgeschlossen. Unter dem Titel „Erfassung, Darstellung  &  Thematisierung rechter Angriffe & Gewalt  in Gera & Umgebung“ arbeiteten Mitarbeiter/innen von Thüringer Beratungsstellen gegen Rechts, von rechten Anfeindungen Betroffene sowie Bündnispartner/innen vor Ort von Anfang August bis Ende Dezember des letzten Jahres gemeinsam an dem Vorhaben.

Inhaltlich befasste sich das Projekt einerseits mit der Erstellung einer Chronik zu rechten Angriffen und Gewalt in Gera für 2012 / 2013, wobei das Hauptaugenmerk auf den Erstellungskriterien lag. Daneben bildete eine Erhebung rechter Symbolpräsenzen im öffentlichen Raum einen weiteren Schwerpunkt. In einer zugehörigen Fachtagung im November 2013 wurden die Projektergebnisse vorgestellt und diskutiert. So zeigte die Erhebung Ergebnisse auf, welche Anlass für spezifischere Fragestellungen und vertiefende Projektideen bieten.

Das gesamte Projekt wurde in einem umfassenden Abschlussbericht transparent ausgewertet. Die Druckversion wurde an Teilnehmer/innen des Projektes und des Fachtages verschickt und enthält einen zugehörigen USB Stick, welcher neben dem Audio-Mitschnitt des Fachtages und der Karte „Spurensuche“  noch  andere  interessante  und  hilfreiche  Materialien  bereitstellt.  Interessierte können sich diesen Abschlussbericht im PDF-Format unter www.aufandhalt.de ab dem 1. Februar 2014 herunterladen. Die Daten vom USB Stick können beim Verein per Email oder telefonisch angefragt werden.

„Die Resonanz auf das Projekt und insbesondere auf die Fachtagung fiel sehr positiv aus und bereits am Ende des Fachtages wurden Stimmen nach einer Fortsetzung laut. Dies bestätigt unsere Einschätzung, ein erfolgreiches Projekt durchgeführt zu haben und zeigt zugleich, dass unser Thema komplex und lang noch nicht ausdiskutiert ist.“, sagt Projektinitiator Karl Euben abschließend.
Das Projekt wurde im Rahmen des Bundesprogramms „TOLERANZ FÖRDERN ? KOMPETENZ STÄRKEN“ durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Nähere Informationen dazu erhalten Sie unter www.toleranz-fördern-kompetenz-stärken.de.

Willi Brüssel-Mautner (Vorstandsmitglied)

Dateien [PDF] zum herunterladen:

Erfassungsbogen AufAndHalt – V2

Bei Fragen zum Erfassungsbogen stehen wir gerne auch telefonisch zur Verfügung.
Tel.: 03657128956
Mobil: 015779388775

Abschlussbericht LAP2013 AAH

Rechte Gewalt sichtbar machen

Im ostthüringischen Gera sind Rechtsextreme im Stadtbild stets präsent. Opfer rechter Gewalt werden nicht allein gelassen. Mit Unterstützung der Amadeu Antonio Stiftung bietet der Verein AUFANDHALT eine Anlaufstelle für Betroffene und demokratisch Engagierte.

Seit zehn Jahren versammeln sich jährlich Neonazis aus dem gesamten Bundesgebiet zum „Rock für Deutschland“. Auch sonst sind die Rechten im Stadtbild präsent, regelmäßig werden Menschen beleidigt, bedroht und überfallen. Wie vielerorts wird das Problem von Seiten der Stadt jedoch kleingeredet. Zu groß ist die Angst ums Image, wenn die Stadt als „braunes Nest“ abgestempelt wird. Doch es gibt auch starke Stimmen in der Stadt, die sich damit nicht abfinden wollen. Seit inzwischen neun Jahren lässt sich ein Kreis mutiger Menschen nicht unterkriegen und engagiert sich in der ehrenamtlichen Opferberatung „Aufandhalt“.

„Nach einem rassistisch motivierten Übergriff geht es um schnelle Hilfe. Die rechtlichen Möglichkeiten zu erklären ist dann ebenso wichtig wie das Vermitteln von psychologischer Unterstützung“, erklärt Vereinsmitglied Karl Euben. Außerdem ist Aufandhalt auch Anlaufstelle für Migrant/innen oder Flüchtlinge, die bei Behörden rassistisch diskriminiert werden oder sich einfach nicht im Ämterdschungel zurecht finden. Weil Aufandhalt für seine Arbeit sonst keine dauerhafte finanzielle Unterstützung erhält, fördert die Amadeu Antonio Stiftung den Verein.

Rechte Gewalt sichtbar machen

Neben der Opferberatung versteht sich der Verein als Schnittstelle für alle, die die Stadt nicht den Nazis überlassen wollen. Eine der Fragen, die sich die Engagierten stellen: wie können wir die alltägliche Dimension der Gefahr von Rechts sichtbar machen, um die Verantwortlichen in die Pflicht zu nehmen? In Zusammenarbeit mit anderen Beratungsstellen wurde dazu eine Möglichkeit zur systematischen Erfassung entwickelt. „Die ständige Bedrohung durch Nazis ist nicht die subjektive Einbildung, als die sie oft abgetan wird“, sagt Euben. „Wir dokumentieren von Neonazis begangene Angriffe auch dann, wenn diese in der strafrechtlichen Grauzone anzusiedeln sind. Denn schließlich steht nicht selten eine bewusste Taktik hinter solchen Anfeindungen.“

Willkommenskultur gegen Nazi-Hetze

Aktuell haben die Engagierten noch mit einer weiteren Herausforderung zu tun: Im nahegelegenen Greiz machen Nazis gegen eine Flüchtlingsunterkunft mobil. Getarnt als Initiative „besorgter Bürger“ rufen stadtbekannte Rechtsextreme jeden Freitag zu Demonstrationen auf. Mit rassistischen Slogans versuchen die Rechten, möglichst viele Bürgerinnen und Bürger hinter sich zu bringen. Teilweise mit Erfolg: inzwischen ist die Stadt in Gegner und Befürworter der Unterkunft gespalten. Weil die Engagierten von Aufandhalt nicht tatenlos zusehen wollen, wie die Nazis die Stimmung für sich nutzen, haben sie eine zweite Anlaufstelle in Greiz eröffnet. „Mit einem geplanten interkulturellen Begegnungszentrum wollen wir eine demokratische Willkommenskultur beleben“, erzählt Willi Brüssel-Mautner vom Vereinsvorstand. Auch die Tätigkeiten in Greiz werden von der Amadeu Antonio Stiftung finanziell unterstützt. Einen ersten großen Erfolg konnte Aufandhalt bereits verbuchen. Denn obwohl der Landkreis eigentlich jeglichen Zutritt in die Flüchtlingsunterkunft untersagt, durften Engagierte des Vereins den Kontakt zu den Flüchtlingen aufnehmen. Ein ehemaliger Flüchtling hilft seitdem unmittelbar vor Ort und bildet den direkten Draht zu den Engagierten – für eine demokratische Willkommenskultur.

Von Robert Lüdecke

[Amadeu Antonio Stiftung]